Kurz vor Mittag noch Morgen, kurz danach schon Abend. So benehmen sich die Tageszeiten Ende November und insbesondere in Norwegen. Ich besuchte das nordische Land im antitypischen Ferienmonat. Noch lag kein Schnee in den Strassen Oslos und doch wars winterlich gemütlich: Lichter überall, zufriedene Gesichter, lachend, Kerzen, Wolldecken, Heizstrahler, frische Waffeln, Pølser, Dylan. Dem Norden schien der Winter nichts an zu haben. Die Norweger akzeptierten die kalte Jahreszeit gelassen und wohlgesinnt.
Worb grüsste mich da – leicht eingeschnappt – von einer kalten, nassen Seite zurück. Wohl stand der Tannenbaum fristgerecht auf dem Bärenplatz. Wohl wurde die Hauptstrasse rechtzeitig geschmückt. Mir aber fehlte etwas Lieblich-Chaotisches. Ich vermisste die Verzauberung, die mich im kalten Norden befallen hatte Wer in Worb nicht reklamierte, dass es kalt und trüb sei, beschwerte sich darüber, dass das Wetter noch zu mild wäre. Ich erwischte mich dabei, zwischenzeitlich zur ersten, dann zur zweiten Gruppe zu gehören.
Einfach wäre es doch, sich ein bisschen zu freuen. So berichtete mir am ersten Nach-Ferien-Tag die Kaffeetasse immerhin: Der Umfahrungsknoten wäre gelöst, der Weihnachtsmärit gut über die Bühne gegangen, ich hätte Geburtstag und die Engel im zweiten Lehrjahr seien auf ihrem Weihnachtsausflug am Tor zum Emmental vorbei gekommen.
Noch drei Wochen bis Weihnachten. Ich versuchte mir jetzt etwas mehr Mühe zu geben, ass ein Mandarinli, spielte erste Weihnachtslieder. Bald würde ich Guetzli backen. Im Medien-Center wurden die neuen Worber Kalender verkauft. Jemand verschenkte Kerzen, ein anderer trank Ovo statt Cola. Langsam zeichneten sich Geschenkideen ab. Der Samichlaus kam, das Adventnkonzert des Jugendblasorchester, die vielen Kataloge der Warenhäuser.
Nüchtern betrachtet ist Weihnachten in Worb alles andere als überdurchschnittlich. Die üblichen Anlässe, nichts besonders Euphorisches. Durch die Glühwein-Guetzli-Brille betrachtet, ist Weihnachten in Worb indes ein ziemlich gelungener Versuch, die graue Zeit mit Farbe zu füllen, erkaltende Herzen warm zu halten, den drohenden Winterschlaf abzuwenden.
So merke ich, es geht einmal mehr darum, nicht überzubewerten, was überbewertet verkauft wird, sondern das grosse Fest in seiner kleinen Unperfektheit zu geniessen, Weihnachten – wie in Norwegen – gelassen aber mit einem offenen Herz entgegen zu sehen.