„Ich höre gerne zu, wenn die Menschen erzählen“

Seit fünf Jahren arbeitet die Kaffeetasse Nik im Medien-Center. „Ein guter Job“, wie sie sagt, bei dem man täglich mit verschiedenen Menschen zu tun habe.

Niks Arbeitstag beginnt meist um halb acht. „Den Morgen mag ich“, sagt sie: „Das Medien-Center bereitet sich auf einen neuen Tag vor, bei der Bäckerei werden die Brote angeliefert, die Putzmaschine fegt über den Bahnhofplatz.“ Seit sie in der ersten Schicht arbeite, brauche Nik meist nicht lang auf einen Einsatz zu warten. „Oft sind wir noch gar nicht richtig vorgewärmt, wenn die ersten Gäste kommen“, schmunzelt sie. Nach dem ersten „Gutsch“ Kaffee sei sie aber vollkommen parat: „Ich bin dann schon gespannt, wer mich bestellt hat.“

Im Medien-Center kehren Leute aus allen gesellschaftlichen Schichten ein. Junge, alte, Arbeiter und Banker. „Ich höre gerne zu, was die verschiedensten Menschen während dem Kaffee zu erzählen haben“, sagt Nik. Viele Stammgäste kenne sie bereits. „Bei einigen freue ich mich richtig, zu erfahren, wie ihre Geschichte weitergeht.“ Als Kaffeetasse müsse man eine gute Zuhörerin sein. Oft gehe es in den Gesprächen um die Arbeit, den Alltag, die Liebe und das Familienleben, „was die Leute halt gerade beschäftigt.“

Am wohlsten sei ihr, wenn immer „chly öppis louft“. Mühsam werde es hingegen, wenn man die Abwaschmaschine gerade verpasst. An manchen Tagen müsse man dann bis zu zwei Stunden warten, bis die nächste Maschine fährt. Einen festen Fahrplan gibt es nicht. „Es bitzli eubögle“ dürfe man deshalb schon.

Die Tassen unter sich hätten eigentlich ein gutes Verhältnis. Es gebe zwar „Grüppli“, und die normalen Kaffee-Tassen gelten bei manchen wohl als einfach gestrickt, aber grundsätzlich respektiere man sich, so Nik. Speziell sei für viele der Sonntagmorgen: „Dann zeigen wir, was wir drauf haben.“ Vom Espresso-Tassli bis zum Latte-Glas sind am Sonntag alle im Einsatz. „Das stärkt den Zusammenhalt im Team“, weiss die Tasse.

Selbst trinke sie nur manchmal in der Pause ein Kafi. Eine Lieblingszubereitung habe sie nicht: „Ich mag Abwechslung und trinke sowohl Espresso als auch Cappuccino und Café Crème.“

Der Arbeitstag endet für die Tassen um 18 Uhr. „Wenn im Medien-Center Fürabe ist, sitzen wir meistens noch bei einander und erzählen uns von den Erlebnissen des Tages“, sagt Nik. Zum Entspannen lese sie auch gerne einmal eine Zeitschrift. Etwa um zehn Uhr ziehe sie sich ins Regal zurück. „Meistens schlafe ich dann sofort ein“, sagt sie. Träumen täte sie nur selten, einen grossen Traum habe sie aber: „Auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten und die Welt bereisen.“